SCHWERPUNKT: ARCHITEKTUR IN DER SCHULE

Sport und Kunst - Komplementäre Bereiche der Bildung

Der Bildungsbegriff der Aufklärung hatte nicht nur die Vervollkommnung des Individuums im Auge, sondern auch den Mehrwert für das gesellschaftlich Gemeinsame. Kognitives und emotionales Wissen sollten einen besseren Zusammenhalt der Gesellschaft garantieren, und dieses Ziel sah man am ehesten durch die Kunst und die sie verbreitenden Genres realisiert.

Kunst wurde gesehen als das Wissen um die sinnlichen Zusammenhänge. Kunst als Erkenntnis- und Vermittlungsfunktion korreliert die emotionale Intelligenz mit der kognitiven.

Sich an der Kunst zu bilden heißt im Kern, ästhetische Erfahrung zu wagen; sich auf etwas einzulassen, das in Bildern, Tönen – als sinnlich wahrnehmbarer Ausdruck – zu uns spricht und sich den Begriffen zunächst entzieht. Am Ende ermöglicht ästhetische Erfahrung Eines zu lernen: ein selbstbestimmtes, ein selbstbewusstes Sehen. Diese Selbstbestimmtheit geht vielen Menschen in der medialisierten Gegenwart und der Bilderflut verloren.

Medium Architektur

Gerade im Kontext der aktuellen bildungspolitischen Diskussionen mit einem von allen Fachleuten diagnostizierten Bedarf an Reformen (Stichworte: Aufwertung der Hauptschule, Demokratisierung, Chancen für alle Begabungen, Erwerb von Schlüsselqualifikationen für die Herausforderungen der Zukunft, Erwerb von kulturellen Basiskompetenzen, Aufbau von sozialen und kognitiven Kompetenzen, Teamfähigkeit, Integration anderer Kulturen u.a.m.) kann Architektur- / Baukulturvermittlung einen wertvollen Beitrag leisten.

Als Querschnittsmaterie mit ästhetischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten ist Architektur (Baukultur) ein Beispiel für vernetztes und nachhaltiges Herangehen an unterschiedliche Aufgabenstellungen und zur Lösung von Zielkonflikten.

Architekturprojekte lassen sich auf breiter Basis – sowohl konzeptionell wie praktisch – adaptieren an verschiedene Alters- und Entwicklungsstufen der Kinder, an die unterschiedlichen Schulformen wie auch unterschiedliche soziale Milieus!

In der Vermittlung von Architektur/Baukultur begreifen wir letztere als ein zentrales Instrument der ästhetischen Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen – dabei beschränkt sich Ästhetik nicht auf das Schöne, sondern meint die sinnlich wahrnehmbare Beschaffenheit ihrer Lebensräume. Die Kinder trainieren und schärfen ihre sinnliche Wahrnehmung. Schließlich sollen sie diese ästhetischen Erlebnisse bewusst bewerten, um sie kognitiv zu erfassen. Aus Wahrnehmung wird Wissen. Durch die bewusste Wahrnehmung von Raum erwerben die Kinder eine Schlüsselkompetenz. Sie bildet eine nachhaltige Basis für den beständigen und individuellen Ausbau ästhetischer Wahrnehmung sowie von Wissensschemata.

Und warum Baukulturvermittlung für junge Menschen

“Jede/r wohnt, arbeitet und bewegt sich in gestalteten Räumen (innen und außen). Wahrnehmung und Erleben von Raum gehört damit zu den grundlegendsten Erfahrungen des menschlichen Daseins. ‘Architektur ist der Wille einer Epoche ausgedrückt in Raum’, wie es Ludwig Mies van der Rohe einmal formuliert hat. Es geht um das Zusammenleben in einer sich wandelnden Welt, wobei insbesondere auch Kenntnisse über andere Kulturen als Fundament für das gegenseitige Verständnis notwendig sind. Hier kann Architektur, in ihrer Eigenschaft als Seismograph der Gesellschaft, wichtige Impulse liefern und die Beschäftigung mit Architektur, Baukultur, Gestaltung und Raum kann entscheidende Anregungen bieten. Denn ein souveräner Umgang mit der gestalteten Umwelt, in der wir fast unser ganzes Leben verbringen,ist notwendige Voraussetzung zur Ausbildung von Identität und Mündigkeit.” (Vgl. Feller, 2009, S. 4)

Architektur- / Baukulturvermittlung stellt somit einen Bildungsauftrag dar. Langfristiges Ziel muss es sein, dass jede/r zumindest einmal in der Ausbildung
mit Aspekten von Architektur und Umweltgestaltung in Berührung kommt.
(vgl. ebd., S.6)

Architekturvermittlung für Kinder und Jugendliche>>PDF Download

Fotos_Architektur